High Potentials?

English Version

Der Kampf um die besten Köpfe ist hart in Zeiten von Fachkräftemangel. (Wobei generell die Frage im Raum steht, wie man „die besten Köpfe“ definiert und wo es eigentlich Fachkräftemangel gibt. Nun gut.) Was hilft? Eine wettbewerbsfähige Entlohnung, denn sonst würden die Hochqualifizierten ja abwandern, so die gängige Meinung in Wirtschaft und Politik.
Ja vielleicht. Oder lockt man damit diejenigen an, die eine bestimmte formelle Ausbildung haben und darüber hinaus Sicherheit und Annehmlichkeiten schätzen? Was motiviert Menschen eigentlich zu Höchstleistungen?

Mit dem Rätsel der Motivation (Ted-Talk „The Puzzle of Motivation“) hat sich der US-amerikanische Autor Daniel H. Pink beschäftigt, der Sachbücher über Zukunftstrends in der Arbeitswelt, Wirtschaft und Technik schreibt.
Er sagt, es gebe ein Ungleichgewicht zwischen dem, was die Wissenschaft über Motivation wisse und was gängige Firmenpraxis sei. Die Strategie Mitarbeiter durch leistungsbezogene Belohnungen zu motivieren, würde im 21sten Jahrhunderts nicht funktionieren. Warum? Heute müssen für immer komplexere Probleme vor allem kreative Lösungen gefunden werden. Finanzielle Anreize könnten die Leistung dabei sogar negativ beeinflussen. Zu diesem Ergebnis kommt auch die London School of Economics and Political Science (LSE), die dazu 51 Studien ausgewertet hat.

Ok. Zieht Geld denn gar nicht? Nicht ganz. Nehmen wir eine Kerze, eine Packung Streichhölzer und eine Schachtel mit Reißzwecken und legen das ganze einer Testperson vor. Sie hat nun die Aufgabe, die brennende Kerze so an die Wand zu befestigen, dass kein Wachs auf den Boden tropft. Das ist das Kerzenproblem von Karl Duncker. Die Lösung besteht darin die Reißzwecken aus der Schachtel zu nehmen und die Schachtel mit einigen Reißzwecken an die Wand zu befestigen, um dann die Kerze in die Schachtel zu stellen und anzuzünden. Um diese Aufgabe lösen zu können, muss die Testperson die Schachtel nicht nur als Aufbewahrungsmittel für die Reißzwecken wahrnehmen, sondern als Teil der Lösung.

In den 60iger Jahren hat der Psychologie-Professor Sam Glucksberg eine Neuauflage dieses Experiments durchgeführt. Er nahm zwei Versuchsgruppen. Der einen Gruppe sagte er, dass er nur messen wolle, wie lange die Lösung dieses Problems in der Regel dauern würde. Der anderen Gruppe gab er Geldanreize für eine möglichst schnelle Lösung. Erstaunlicherweise war die Gruppe ohne Geldanreize schneller, und zwar gleich drei bis vier Minuten.
Nimmt man die Reißzwecken aber aus der Schachtel heraus und vereinfacht so das Problem, da die Schachtel nicht mehr hauptsächlich als Aufbewahrungsmittel gesehen wird, ist die Gruppe mit den Geldanreizen schneller.
Geldanreize funktionieren also bei einfachen Aufgaben mit einfachen Regeln und einem klaren Ziel. Bei Aufgaben, die eine kreative Lösung erfordern, funktionieren sie nicht. In der heutigen Arbeitswelt gibt es aber immer mehr Aufgaben, bei denen die Reißzwecken nun mal in der Schachtel liegen.

So. Und womit kriegen wir den nun unsere High Potentials? Pink sagt mit intrinsischen Motivationsfaktoren, die dem Wunsch des Mitarbeiters nach einer sinngebenden, interessanten und wichtigen Tätigkeit entgegenkommen. Drei Faktoren seien nach Pink motivierend: der Grad der Autonomie, den ein Mitarbeiter habe; die Möglichkeit immer besser in seiner Tätigkeit werden zu können und der Wunsch nach einer Tätigkeit, die einem bedeutenden Zweck dient.

Also liebe Firmen, keine Millionen, sondern eine sinnvolle Tätigkeit mit Entwicklungsmöglichkeiten und freiem Handlungsspielraum; das bringt Höchstleistungen hervor. Übrigens auch bei Nicht-High Potentials.

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